Seife

Jeden Freitag, 10:30 haben sie einen Termin. Waschen, legen, fönen bitte. Jeden Freitag, 10:30 das gleiche Ritual. Und dazu einen Kaffee. In diesem Dorf ist die Welt noch in Ordnung. Da, wo Jeder Jeden kennt und leben läßt. Doch anders als jeden Freitag, 10:30 bleibt der Stuhl von Marlene Link an diesem Freitag leer. Ihr Tod bringt den Dorfalltag ins Wanken. Ein Kommissar taucht auf, und kuriose Dinge nehmen ihren Lauf. Die „Flotte Locke“ wird zum Dreh- und Angelpunkt der Ermittlungen und Verdächtigungen. Lehrling Lars macht es seiner Chefin Martina Mai nicht leicht, seine verrückten Ideen zu zügeln. Oder würden Sie etwa eine Séance abhalten, um einen Mörder zu finden?

Fotos:

Darsteller:
Kai ZupancicNoah
Sabine GrußAnastasia
Susanne FernkornMartina May
Donata SommerBabsi
Karsten StiersLars
Annette MontagBerta Blaschke
Irene SchlumpMarlene Link
Katharina MalmsheimerFrau Häubchen
Marc GrußBriefträger
Peter SteinmeyerHerr Schweiger
Matthias HiegemannArnold Konrad
Regie, Idee und Buch:Christine Hamm-Huckenbeck
Musik und Text:Karsten Stiers
Choreographie und Vocalcoaching:Simone Stiers
Die Band:
Honne Gisselguitar
Ulf Strickerdrums
Dirk Leibenguthdrums
Goran Vujicbass
Matthias Bangertbass
Gunther Rosekeyboards
Technik:
Bühnenbau Dirk Huckenbeck, Marc Gruß
Lichttechnik Peter Steinmeyer
Tontechnik Oliver Dannert, Christian Georg
Kostüme Silja Meise
Spezialeffekte Andre Mehl, Dirk Huckenbeck

Presse-Artikel:

„Seife“ – ein modernes Musical, das sich gewaschen hat

Wetter. Eine grausige Tat sorgt im Frisier-Salon „Flotte Locke“, in dem sonst nur über Nebensächlichkeiten geplaudert wird, diesmal für ernste Töne: Die ständig nörgelnde Stammkundin Frau Link (Irene Schlump) ist in ihrer Wohnung ermordet worden. Den Salon beschäftigt jetzt nur eine Frage: „Wer hat es wohl getan?“

Mit dem amüsanten Musical „Seife – oder vertrauen Sie ihrem Frisör?!“ feierte die Lichtburg Wetter am letzten Samstag Premiere. Und ein Besuch in der „Flotten Locke“ lohnte allemal. Das Musical bot moderne Musik vom Pop-Song über Schlager bis hin zu Soul und Rap, die ein spielfreudiges Ensemble auf der Bühne und an den Instrumenten gekonnt umsetzte. Die Choreografie war insgesamt eher sparsam, dafür aber sehr effektiv eingesetzt.Aus der Riege der Darsteller ist besonders Karsten Stiers zu loben. Als vorwitziger Lehrling Lars zeigte er ein hinreißendes Mienenspiel, außerdem wirbelte er mit gekonnten Bewegungen von der Kaffeemaschine zum Frisierstuhl und wieder zurück. Um den flüchtigen Mörder zu finden, hält man im Salon sogar eine Séance ab. Und besonders dabei hat Lars die Lacher auf seiner Seite. Der Bestatter (Peter Steinmeyer) ist nach dem tragischen Todesfall voll in seinem Element, und der schüchterne Briefträger (Marc Gruß) findet endlich die richten Worte, um die Inhaberin der „Flotten Locke“ (Susanne Fernkorn) von seinen tiefen Gefühlen zu überzeugen. Stadtstreicher Noah (Kai Zupancic mit toller Bühnenpräsenz und unter die Haut gehender Stimme) wirkt in all dem Trubel, den die Mördersuche verursacht, wie ein Engel aus einer besseren Welt. Genau so plötzlich, wie er kommt, ist er eines Tages auch wieder verschwunden. Sehr zum Bedauern der naiven und natürlich blonden Angestellten Babsi (Donata Sommer). Krokodil und das „Kaschperle“ (der Kasper) im Hintergrund mischten sich immer wieder mit Kommentaren in die Handlung ein und schaffen so ein „Spiel im Spiel“. Sämtliche Darsteller wurden ihren Rollen gerecht, jedes Detail spielten sie publikumswirksam heraus.
Autorin und Regisseurin Tine Hamm-Huckenbeck hat eine Vorlage voller Überraschungen geschaffen, die für zwei vergnügliche Stunden sorgt. Die größte Überraschung des Abends ist ohne Zweifel die Lösung des Mordfalls – zwar nicht unbedingt logisch und für jeden im Publikum einsichtig, aber irgendwie nett. Was „Seife“ allerdings vertragen könnte, wäre ein bisschen mehr Tempo. Besonders im zweiten Teil wird der Zuschauer oft unnötig lange auf die Folter gespannt. Doch ansonsten: Die „Seife“ auf der Lichtburg-Bühne hat sich wahrlich gewaschen! Das Musical geht noch bis zum 16. Oktober jeden Freitag und Samstag, 20 Uhr, über die Bühne. Karten können unter Tel: 0 23 35 – 91 36 67 vorbestellt werden.

Westfälische Rundschau 20.9.04

Musical und ein Schuss Krimi

Wetter. Ein großes Publikum erlebte am Samstagabend die Premiere des Musicals „Seife – oder vertrauen Sie Ihrem Friseur?“ in der Lichtburg.  Christine Hamm (Idee, Buch, Regie), Karsten Stiers (Co-Autor, Musik und Text) und Simone Stiers (Co-Autorin, Vocalcoach, Choreographie) tüftelten eine witzig-spritzige Persiflage auf die gute alte Boulevardkomödie mit einem guten Schuss Kriminalstory im modischen Gewand des Musicals aus. Die Nachricht vom Mord an einer als Giftnudel bekannten Kundin schlägt wie eine Bombe in die friedliche Langeweile eines dörflichen Frisiersalons ein und setzt einen Wirbel von Ereignissen in Gang. Die Seherin Anastasia in ihren Zigeunergewändern, fernöstlich anmutende „Weisheiten“ verkündend und vom geheimnisvollen Raunen von Didgeridoos begleitet, sorgt für einen aparten Verfremdungseffekt. Von Zeit zu Zeit schießen ein Krokodil und ein Kasper mit ihren Kommentaren wie Teufel aus der Kiste in ihre Handpuppenbühne, wirken scheinbar überflüssig und sorgen doch zum Schluss für den absolut überraschenden Kick. Dieser Stoff bietet reizvolle Gelegenheiten zu rhythmisch und musikalisch packenden Ensemblesätzen und Songs. Band und Darsteller waren gut aufeinander eingespielt, tänzerische Mimik und Gestik wie aus einem Guss. Der Stadtstreicher Noah (Kai Zupancic) und die ihn anhimmelnde Babsi (Donata Sommer) gaben einer sich anbahnenden Romanze mit Herz- und Schmerztönen Ausdruck. Die Stimme der Chefin (Susanne Fernkorn) wandelte sich vom schneidend harten Sound für die Darstellung des harten Berufsalltags zum samtweichen Timbre der Sehnsucht nach Geborgenheit. Der Tango des Krokodils (Marc Gruß) „Ich bin das Krokodil und habe Sex-Appeal“ hatte handfeste „Ohrwurm“- Qualität. Auch der Song des schüchternen Briefträgers (ebenfalls Marc Gruß) gelang mit der richtigen Mischung aus Schmalz und Sentimentalität hervorragend. Farbige Lichteffekte leuchteten Stimmungswechsel aus.

Das Publikum war lautstark begeistert und bescherte dem Musical eine mit rauschendem Beifall belohnte Uraufführung.
Weitere Aufführungs-Termine sind bis zum 16. Oktober jeweils freitags und samstags um 20 Uhr im Kulturzentrum Lichtburg.

Westfalenpost 20.9.04