Businessmen

Zwei Repräsentanten großer Rüstungsfirmen treffen sich nach einer Messe auf einen Drink. Der ältere, Karl Anders hat einen Milliardenauftrag an Land gezogen, sein Konkurrent, Max Bader, ging leer aus. Max ist der Schwiegersohn des Besitzers seines Konzerns. Er sieht der Ankunft seiner Frau Judith mit gemischten Gefühlen entgegen. Anders macht einen Vorschlag:Ein Abend zu viert. Das Zimmermädchen Andrea Müller wird als seine „Verlobte“ angeheuert. Max lässt sich wiederstrebend auf das Arrangement ein. Nach dem Abend der folgt, ist nichts mehr, wie es war …

Der Wetteraner Autor Hubert Geißler hat in dieser „schwarzen“ Boulevardkomödie die Welt abstruser Geschäftemacher aufs Korn genommen. Die aus anderen Lichtburg Produktionen bekannten Darsteller Petra Laermanns, Ramona Dahms, Martin Lahnwehr und Peter Steinmeyer versprechen einen kurzweiligen Theaterabend mit überraschenden Wendungen …

Darsteller:
Ramona DahmsAndrea
Petra LaermannsJudith
Martin LanwehrKarl
Peter SteinmeyerMax
Regie und Autor: Hubert Geißler
Technik:Jan Kampelmann

Presse-Artikel:

13.07.2004 / Westfalenpost LOKALAUSGABE / WETTER

Ein abstruses Spiel

Wetter. (CW) „Businessmen“ heißt die schwarze Boulevardkomödie aus der Feder des wetterschen Autors Hubert Geißler, die Freitag in der Lichtburg Premiere feierte. Im Mittelpunkt stehen zwei Geschäftsleute, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Die Handlung spielt in einem Hotelzimmer mit gut gefüllter Minibar und einem kleinen Balkon. Gemietet hat das Etablissement Karl Anders (Martin Lanwehr), Repräsentant einer Rüstungsfirma, der soeben einen milliardenschweren Auftrag an Land gezogen hat und seinen Kontrahenten Max Bader (Peter Steinmeyer) zu einem Drink einlädt. Aus einem Glas Wein werden mehrere Flaschen und Anders zieht Bader noch einmal über den Tisch, indem er sich dessen Gattin Judith (Petra Laermans) mitsamt der Konkurrenzfirma unter den Nagel reißt. Judith lebt in einer frustrierten Ehe mit tugendhaften Max. Der wiederum kann einem Angebot des schauspielernden Zimmermädchens Andrea Müller (Ramona Dahms) nicht widerstehen. Der Plot klingt nicht nur abstrus und wirr, er ist es auch – aber mit Absicht. Im Mittelpunkt stehen zwei Geschäftsleute: Auf der einen Seite der redegewandte, philosophierende Karl Anders, der sich als Meister des Intrigen- und Ränkespiels entpuppt und für den Moral so lange akzeptabel ist, wie sie nichts kostet. Auf der anderen Seite der bemitleidenswerte Max mit dem „Charme eines Buchhalters“. In einem perfiden Spiel um Macht und Geld nimmt Anders am Schluss die Position des ausgetricksten Max an und schafft es sogar, als Retter dazustehen. Das Ensemble des Koffertheaters wusste zu überzeugen, was aber nicht über die verquere Story hinwegtäuschen konnte. Eine Boulevardkomödie im Stile von „Schöner Wohnen und Ehebruch“ lebt von verschiedenen Schauplätzen, dem Kampf um Lüge und Wahrheit und der Idee des Partnertausches. Letzteres wurde erfüllt. Gelogen wurde auch. Aber die Pointen und Schlüpfrigkeiten boten sich den 90 Zuschauern nur in Ansätzen. Stattdessen entwickelte sich „Businessmen“ zu einer genreübergreifenden Mixtur aus Wirtschaftskrimi und inhaltsschwerer Beziehungsklamotte. Wer sich selber ein Bild von der Ironie der „Businessmen“ machen möchte, der hat dazu noch Freitag und Samstag jeweils um 20 Uhr in der Lichtburg Gelegenheit.

12.07.2004 / Westfälische Rundschau LOKALAUSGABE / WETTER

Viel Rauch ums große Thema Geld

Wetter. Es war nicht Fisch und nicht Fleisch: Mit „Businessmen“ aus der Feder des Wetteraners Hubert Geißler hatte die Lichtburg eine Boulevard-Komödie angekündigt. Doch was wurde bei der Premiere wirklich geboten? Ein bisschen Komödie, ein bisschen Satire, ein bisschen Wirtschaftskrimi, ein bisschen zwischenmenschliche Tragödie – doch worum es eigentlich gehen sollte, blieb ein Geheimnis. Eine Boulevardkomödie mit Tempo, Gags und verbalem Ping-Pong-Spiel war es auf keinen Fall. Mit Karl Anders (Martin Lanwehr) und Max Bader (Peter Steinmeyer) treffen sich zwei Repräsentanten großer Rüstungsfirmen nach der Messe zum „Gemütlichen“ im Hotel. Karl Anders hat seinem Konkurrenten einen Milliardenauftrag vor der Nase weggeschnappt und hört sich nun in Siegerlaune gern selber reden und reden und reden. Mit Judith (Petra Laermans) und Andrea (Mona Dahms) kommen die verwöhnte Ehefrau des Unterlegenen und ein aufreizendes Zimmermädchen hinzu, und das Spiel kann beginnen. Bloß, welches Spiel eigentlich? Knapp zwei Stunden lang drehte sich alles um das große Geld, um falsche Moral, um unglückliche Ehen, um menschliche Verlierer und Gewinner. Die vier Darsteller gaben jedenfalls ihr Bestes, um aus der eher bescheidenen Textvorlage noch das Beste zu machen. Martin Lanwehr überzeugte als skrupelloser Geschäftsmann, für den das ganze Leben nur ein spannendes Spiel ist. Mit seinem überheblichen Gelaber ging er schon bald nicht nur seinen Mitstreitern im Hotelzimmer auf den Nerv. Peter Steinmeyer konnte einem als Looser auf der ganzen Linie nur leid tun. Mit dem Zucken seines rechten Auges verriet er, mit welchen inneren Spannungen er zu kämpfen hatte. Petra Laermans gefiel als Ehefrau und Tochter aus reichem Haus, deren Vater der Boss jenes Rüstungsunternehmens ist, das der unfähige Schwiegersohn gerade vor die Wand gesetzt hat. Judith ist verwöhnt und gewöhnt, stets ihren Willen zu bekommen. Was will der Autor sagen? Dass ihr Vater das Geld mit Kriegsspielzeug verdient, stört sie nicht. Schließlich hat ihre Familie doch als Ausgleich einen Kulturförderpreis ins Leben gerufen. Mona Dahms verkörpert als Andrea, Zimmermädchen und arbeitslose Schauspielerin, genau das Gegenteil: moralisch nicht sehr gefestigt, spontan, lebenslustig – aber ebenfalls ständig dem großen Geld auf der Spur. Bleibt nur die Frage: Was wollte uns Autor Hubert Geißler eigentlich sagen? (Weitere Vorstellungen am 16. und 17. Juli, jeweils ab 20 Uhr in der Lichtburg).

Thilo Wagner